Die sieben Männer der Eveyln Hugo [Taylor Jenkins Reid]

Die sieben Männer der Evelyn Hugo

Roman von Taylor Jenkins Reid
ullstein Verlag, 10,99 € (TB), 9,99 € (E-Book)

[SPOILERWARNUNG, sorry, ging nicht ohne]

“Die sieben Männer der Evelyn Hugo” wird mit dem Satz: “Das Buch, das hunderttausende
TikTok-Userinnen zu Tränen gerührt hat” beworben. Ganz schön se6ualisierender Blurb,
aber bitte, geben wir dem Bumms mal ne Chance, kann ja nur gut werden.

Schauspiel-Ikone Evelyn Hugo führte in den 50er- und 60er-Jahren ein skandalös-bewegtes
Leben im Glamour Hollywoods. Als sie nach Jahren ihr erstes und exklusives Interview gibt, in dem sie vor allem auch über ihr Privatleben und ihre sieben Beziehungen aus dieser Zeit spricht, liegen ihr die Journalist:innen allesamt zu Füßen. Doch Hugos Erwählte wird ausgerechnet die Lokalredakteurin Monique Grant, die sich von diesem Interview endlich den großen Durchbruch in einem erfolgreichen Magazin erhofft. Doch plötzlich spielt sie eine viel wichtigere Rolle …

In zwei Handlungssträngen wird abwechselnd vom Interview sowie von Evelyns Aufstieg in Hollywood erzählt. Dass bei letzterem moralische Fehltritte, Manipulationen und Ausnutzung quasi zur Jobbeschreibung gehören, davon darf man wirklich nicht überrascht sein. Die Geschichte hat leider wenig Charme, wenig Witz, viel Nichts. Ich glaube auch nicht, dass man einen siebten Sinn braucht, um schnell zu erkennen, warum keiner dieser sieben Männer Evelyn glücklich machen und mit ihr glücklich werden wollte. Bi- und Homose6ualität mussten 1960 mit Sicherheit vertuscht werden und waren einen Skandal wert. In der Moderne finde ich es eher befremdlich, wenn Journalist:innen ein Outing
(und sei es nur das einer Romanfigur) immer noch als solchen verkaufen und Privates ausschlachten. Einen reflektierten und vor allem kritischen Umgang mit dem Thema Klatschpresse im Allgemeinen hätte ich gut gefunden. Tiefgang zu 100% verschenkt.

Prinzipiell bin ich gerade bei solchen Geschichten wirklich nah am Wasser gebaut, in diesem Fall kamen nur gelegentliche Wuttränen. Learning nach diesem Buch: in den 60ern wich man öffentlich nicht von der heteronormativen, monogamen Ehe ab, heute ist das zum Glück anders. Das Buch hat, abgesehen von dieser Erkenntnis, aber nichts beigetragen und funktioniert höchstens als besserer Promiflash-Beitrag. Schade.

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