Sag, die blauen Flecke kommen vom Spielen (Betty Taube)

… sagt Bettys Mama zu ihr. Und das ist nur einer von unzähligen Sätzen, die für Außenstehende komplett grausam klingen, für Betty Taube aber bittere Realität sind. Brutal ehrlich und ohne Beschönigungen schreibt sie von der Zeit, in der ihre Mama alkoholkrank war, von der Gewalt, ständigen Umzügen und Geheimnissen. Die schönen Tage, die auf die ganz dunklen Momente folgen. Den Verlust ihrer Erinnerungen aufgrund tiefsitzender Traumata, Selbstmordversuche, das Kinderheim, ihr Umfeld. Kurzum: Bettys Kindheit. 

 

Ich verfolge Bettys Weg seit 2014, seit sie bei Germanys next Topmodel den vierten Platz belegt hat, Heidi Klum sie persönlich aus ihrer damaligen Wohnstelle abgeholt hat. Und mir fehlen wirklich die Worte für den Mut, die Offenheit und die radikale Ehrlichkeit, mit der sie hier über ihr Leben schreibt und ihre Gefühle reflektiert. 

 

Als Leserin konnte ich extrem tief in ihre Gedanken eintauchen, habe gemeinsam mit dem kleinen Mädchen gehofft, dass ihre Mama das mit dem Wein einfach lässt und war dann selbst den Tränen nahe, als es einen erneuten Rückschlag gab. Die Ambivalenz zwischen tiefer Liebe und Angst vor der eigenen Mutter wird so greifbar und eben dadurch ist dieses Buch ein enorm wichtiges – weil Betty nur eines von 2.7 Millionen Kindern in Deutschland ist.

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