Brennen (Daniel Donskoy)

“Dont’t worry, you are on the russian side”, sagt man D., als er während eines Serien-Drehs in Moskau russische Panzer vorbeifahren sieht, die in Richtung Angriffskrieg auf die Ukraine zusteuern. Nur eine der vielen Gleichzeitigkeiten, durch die man den Protagonisten in “Brennen” begleitet. Dieser trägt nicht nur den selben Namen, sondern auch große Teile der gleichen Geschichte wie Autor Daniel Donskoy. 

Geboren in Russland, aufgewachsen in Berlin, später in Israel, verschlägt es ihn an Schauspielschulen in London und New York, an Filmsets, nach Kalabrien, Polen, auch ins Bett schöner Frauen und Männer. Es geht um die Liebe – zur Familie, zu menschlichen Begegnungen und zum echten Leben. “Brennen” ist dabei nicht nur eine Floskel, sondern treibende Kraft, Symbol und Sinnbild für all die Leben, die D. gefühlt auf einmal gelebt hat. 

Dieses Buch hat mich tief berührt, immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht und auch ob seines besonderen Stils extrem begeistert. Ich mochte, wie Kapitel teils in langen Erzählungen ausarten, dann wieder nur als Mittel zum Zweck dienen, um Gefühle und Intensitäten eines Moments zu verdeutlichen. Ich mochte, wie D. immer wieder Briefe an seinen Freund Tyler schreibt, diese erst spät im Buch eine Bedeutung bekommen und wie man sich nie ganz sicher sein kann, was davon mehr Realität als Fiktion ist. 

Und dann kommt dieses Ende.

Das letzte Drittel, in dem D. und Donskoy immer mehr eins werden.

In den Tagen um den 7. Oktober 2023 herum spielt er in den USA Wladyslaw Szpilman in “Der Pianist” – die Geschichte eines Mannes, der als einziger das Warschauer Ghetto und den Holocaust überlegt. Tausende Kilometer entfernt kämpfen seine Familie und Freunde in Gaza um ihr Leben. Er sieht sich erneut mit der Schuld konfrontiert, die ihn seit vielen Jahren verfolgt – dass er nicht im israelischen Militär kämpft, sondern nach Berlin zurückgegangen ist. Dass er seine Freunde im Stich gelassen hat. Dass Tyler noch da ist. 

Ich war schon lange nicht mehr so berührt von dem, was Literatur kann und wie wunderschön jemand erzählt. 

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