Harry Potter und das verwunschene Kind: (k)ein Muss für Fans?

Seit 2021 spielt das Theaterstück “Harry Potter und das verwunschene Kind” in Hamburg. Zuerst zweiteilig an mehreren Tagen, seit etwas über einem Jahr als Einteiler erlebbar. Ebenso lange drücke ich mich davor, die Bühnenfassung des Spin-Offs von J.K. Rowling, Jack Thorne und John Tiffany zu sehen. Weil mir der Plot des 2016 erschienenen Buches damals schon nicht gefallen hat. Weil ich die Autorin nicht mehr unterstützen möchte. Weil ich nicht glauben wollte, dass ein Theaterstück die Magie der Bücher und all meine Gefühle dazu beschreiben kann. Spoiler: Konnte es auch nicht, dafür romantisiere ich die Welt und meine Kindheitserinnerung daran viel zu sehr. Nachdem das Stück nun aber zum Sommer Hamburg und damit auch Deutschland verlässt, wollte ich ihm dann doch eine Chance geben. 

Ein Zeitumkehrer und bekannte Figuren

Die Geschichte spielt in Hogwarts, es tauchen die bekannten Figuren der sieben Hauptbände auf. Gleichzeitig geht es aber um Albus und Scorpius, die Kinder von Harry und Draco. Sie müssen im Schatten ihrer berühmten Eltern ein neues Abenteuer bestehen und begegnen nicht nur dem dunklen Lord, sondern auch der Vergangenheit ihrer Väter. Dabei ist es nicht nur ein Stück Magie, sondern auch ein Stück Erwachsenwerden. 

©Manuel Harlan

Soweit so berührend und gleich vorweg: Emotional haben mich vor allem die Szenen erreicht, in denen es zu eben diesen Begegnungen zwischen Vätern und Söhnen kommt. Die Szenen, die zwischen all den Bühneneffekten einfach mal nur auf Schauspiel setzen. Gleichwohl die Effekte das sind,, worauf alle warten und was auch wirklich was hermacht. Ob es Dementoren sind, Flüche, große Rückblicke, Flohpulver oder Duelle: bühnentechnisch zeigt das Theater am Großmarkt hier wirklich alles, was geht. Nicht nur einmal bin ich der Theatermagie verfallen. Ein Muss für alle, die denken, dass sowas nur im Film möglich ist. 

Die Story gibt leider nicht besonders viel her

Doch das war es für mich dann leider auch an positiver Kritik. Das Stück selbst war wie erwartet ziemlich flach und leider an vielen Stellen auch sehr lückenhaft. Als Fan der Bücher geht man mit vielen Fragen raus, die (so viel sei verraten) auch in der längeren Stückversion nicht besser erklärt werden. Die Figuren sind teilweise furchtbar überzeichnet, weil sie leider auch furchtbar nichtssagend sind. Es fehlt an allen Ecken an Tiefe, um eine komplexe Welt abseits der Effekte aufbauen zu können. Dafür kommt dank Zeitumkehrer das nahezu gesamte Figurenensemble der Bücher auf die Bühne und ich fragte mich ein ums andere Mal, ob eine gänzlich neue Geschichte dieser Welt nicht besser getan hätte. (Und ein echter sprechender Hut, kein Schauspieler. Aber das nur am Rande.) Als dann das Kind von Voldemort und Bellatrix zur Sprache kam, war ich endgültig raus. Obwohl ich wusste, dass das passiert, aber hä? 



© Manuel Harlan

Eine Ergänzung für die Bühne

Auch darstellerisch war ich an vielen Stellen überraschenderweise enttäuscht. Neben der Überzeichnung und dem daraus resultierenden Overacting, haben die Darstellenden oftmals auch viel zu schnell und undeutlich gesprochen. Ich weiß nicht, ob das der Trick war, um das Stück zeitlich einkürzen; es wirkt teilweise genau so. Inmitten der ganzen Effekte haben mir oft die ruhigen Momente gefehlt. Gab es sie dann doch, waren sie mir zu kurz, um wirklich durchatmen zu können. Ich bin und bleibe Fan von figurengetriebenem Theater, das hier leider zu kurz kommt und dem Publikum auch nicht wirklich zugetraut wird. 

 

Ich hatte es wohl unterbewusst befürchtet: Dieses Stück ist für mich höchstens eine Ergänzung, aber sicher keine Erweiterung der Bücher und der Magie von Harry Potter. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass eingesessene Fans sich davon wirklich überzeugen lassen. Die Bühnenmagie ist  perfekt. Der Rest leider eher schwach. Ich würde nicht sagen, dass dieses Stück ein Muss für Fans ist. 

 

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