Alizé in Berlin: Magie trifft Zirkus 

Die letzte Zirkusshow, die ich gesehen habe, war „Paramour“, ein Musical in Zusammenarbeit mit dem Cirque du Soleil in Hamburg. Damals habe ich Akrobatik auf einer Bühne gesehen, die ich so noch nie erlebt habe. Auch die neue Residence-Show vom Cirque du Soleil in Berlin schafft diesen Eindruck – und ist noch so viel magischer. 

Sitzplatzempfehlung: Reihe 10 Platz 1, Parkett links

Zirkus auf einer neuen Ebene

Besonders beeindruckend finde ich, wie es gelingt, den Zirkus auf eine ganz neue Ebene zu heben. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Clowns, Artisten oder eine bunte Show mit Popcorn. Plötzlich sind da eine Geschichte, tiefe Emotionen, starke Bilder und eine Message, die ganz unabhängig von der eigenen Sprache verstanden wird. Alizé ist eine sehr kurzweilige, sehr bildgewaltige Show, die vor allem durch ihre Abwechslung überzeugt. 

© Alizé

Mir persönlich war es hier und da fast zu abwechslungsreich. Immer wieder neue Nummern, neue Effekte, neue Darsteller:innen. Zwischendurch habe ich andere Sparten des Theaters vermisst, die die Aneinanderreihung der einzelnen Nummern aufbrechen. Dadurch, dass in dieser Show durchweg die besten Artist:innen der Welt auf der Bühne stehen, ist wirklich jede einzelne Minute beeindruckend, gefährlich, weltbewegend neu. Das sieht man nicht nur einmal, sondern durchlebt es tagelang in seinen Erinnerungen. Einerseits ist es toll, wenn eine Show so etwas schafft. Andererseits kann es auch überfordern, insbesondere, wenn dann noch große Bühnentechnik, Kulisse und Musik dazukommen. 

Pluspunkt für mich: Sehr gefährliche Tricks oder Tricks im Publikum werden ausschließlich gesichert geturnt. Das entspannt beim Zusehen ungemein. 

Was in Erinnerung bleibt

Was mir vor allem in Erinnerung blieb, sind zwei Nummern: die Clownerie und die bereits in der Vorschau angekündigte Acromagie. Als nach der Pause die Pantomime-Nummer der Clowns begann, sah ich einen älteren Mann neben mir, der nicht sonderlich amüsiert schien. Doch während die Kinder hinter mir die ganze Zeit lachten, schafften die beiden großartigen Clowns es auch, diesen älteren Mann zu begeistern. Durch großartiges Schauspiel, witzige Pointen und vor allem klugen Humor, der begeistert, ohne einfältig zu wirken. DAS muss man erlebt haben! Ich fand es ganz ganz großartig

Und dann ist da noch die Acromagie. Eine Mischung aus Akrobatik und Zauberkunst. Etwas, das ich so noch nicht gesehen habe und so schnell vermutlich auch nicht mehr sehen werde. Was in den Trailern der Show so einfach, so geschnitten wirkt, passiert plötzlich ganz ungeschnitten und live auf der Bühne. Die Hands-to-Hands-Nummer, eine ohnehin schon beeindruckende Disziplin, erscheint plötzlich in Zeitlupe. Getragen durch unglaubliche Szenenwechsel, die ich mir bis heute nicht erklären kann. Man gibt irgendwann auf, das Seil zu suchen, an dem die Artistin hängen muss. Man gibt irgendwann auf, zu verstehen, wie die Bühne konzipiert ist, um solch filmische Bilder zu schaffen. Irgendwann sitzt man nur noch und genießt und versucht gar nicht mehr, sich zu erklären, was man hier eigentlich sieht. 

 

Alize ist wunderschön, entführt aus dem Alltag und hinterlässt das Gefühl, die Show unbedingt noch einmal sehen zu müssen, um all das zu verstehen, was man hier in zwei Stunden auf der Bühne erlebt. Wow!

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