Disneys »Die Schöne und das Biest – das Musical (Tourversion)«

Aufführungsdauer: 2.30 Stunden inklusive Pause
Sitzplatzempfehlung: 1. Rang/ Reihe 19 Platz 31
Admiralspalast Berlin

Meinung

Es hätte wirklich wie im Märchen sein können, aber leider ist diese Tourprouktion von Disneys “Die Schöne und das Biest” alles andere als zauberhaft und magisch. 

Ein Showstop nach der ersten halben Stunde wurde bezeichnend für die gesamte Produktion dieser Tour von mehrentertainment und BB Promotion. Grundsätzlich ja nicht dramatisch und vor allem nicht ungewöhnlich bei aufwändigen Shows, dass die Technik mal nicht das tut, was sie soll. In diesem Fall musste ich mich leider fragen: Welche Technik? 

Disney Die Schöne und das Biest

Die gesamte Inszenierung, das Staging und die Effekte sind so langweilig und einfallslos, dass die Disney-Magie, die man aus vielen anderen Produktionen kennt, leider nicht überspringen konnte. Es fehlt der Show an Leichtigkeit, vor allem aber an Kreativität. Die Dramaturgie ist vorhersehbarer Slapstick und schafft es einfach nicht zu überraschen. Zum Teil bewegen sich Darstellende auf der Bühne auf unlogischen Wegen, es gab viel zu viele Blacks und geschlossene Umbauten, sodass das Stück gerade zu Beginn enorme Längen hat. Hintenraus nimmt es zwar etwas mehr Fahrt auf, was aber auch nur daran liegt, dass die Drehbühne noch regelmäßiger zum Einsatz kommt und das klapprig wirkende Bühnenbild bewegt – Tourproduktion wird hier leider sehr ernst genommen. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der Verwandlung des Biestes – wo andere den Quickchange offensichtlich und in Bruchteilen von Sekunden vollziehen, hing dieses gefühlte Minuten im Black, umgeben von unpassenden Projektionen, mitten auf der Bühne und verwandelte sich. Oder hatte einen Krampfanfall, man weiß es nicht. Und auch sonst war die Technik an diesem Abend eher enttäuschend. Die Mikrofonierung war an vielen Stellen schlecht getimed, sodass wahlweise der Sopran sämtliche andere Stimmen übertönte, man Tänzer hinter der Bühne atmen hörte  oder Texte unverständlich blieben. Letzteres kann aber auch mit dem Budapester Operettenensemble selbst zu tun haben. Dieses ist zwar mit einigen namhaften Namen besetzt, lernte zum Großteil wohl aber phonetisch seinen Text. Und dieser hat es in sich – Endungen wurden regelmäßig verschluckt und Worte so falsch betont, dass es leider eher Anstrengung denn Freude war, ihnen zuzuhören. Oft fragte ich mich: verstehen sie eigentlich gerade ihre eigenen Worte oder warum zünden Witze nicht, waren Emotionen teils so überzogen? 

Für mich positiv herausstechen konnten einzig die musikalischen Leistungen und Choreografien. Wenngleich diese nicht schwer waren, so war hier offenbar doch jemand am Werk, der sein Handwerk versteht und vor allem mal die Bühne bespielte. Und als dann zur Pause endlich das Biest, gespielt von Dávid Péter Cseh, sein Solo bekam und sang, wusste ich wieder, warum Musical so toll sein kann. Da waren endlich Emotionen, Gänsehaut und stimmungsvolle Effekte – man fragt sich nur: Warum gibt es davon nicht viel mehr? Auch Veronika Fekete-Kovàcs als Belle und Àdam Bálint und Attila Serbán als Lumière und Lefou sangen an diesem Abend solide. Hier fehlte es nur manchmal an ausgehaltenen und vollen Tönen – vieles glich einer Operette mehr als einem Musical, das durchaus auch mal lauter und kraftvoll sein darf. Vielleicht eine Referenz zur Dramaturgie. Die Orchestrierung war mit 21 Menschen mehr als in vielen anderen Produktionen. Warum man allerdings zwei Artisten braucht und wieso sie offenbar ausschließlich Männer hatten, die solistisch in Ensemblenummern tanzen können – keine Ahnung. 

Ich habe schon so viele fantastische, begeisternde Disney-Produktionen gesehen. Diese hier kann sich dort leider nicht einreihen und zählt eher zu einem schwächeren Musical. Viel zu oft merkt man dem Stück an, dass es eben doch nur eine Tour ist. Ich denke trotzdem, dass viele im Publikum die Show genossen haben. Ich als erfahrene Musicalbesucherin habe es zu oft hinterfragt und konnte deshalb nur an wenigen Stellen den Kopf ausschalten und einfach eine gute Show genießen. Die Red Curtain Show titelte damals: Ostblock-Rustikal – Disney mit Akzent. Dem möchte ich mich anschließen.

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