Märchenwald [Rezension]

Preis: 0,99€ (Kindle, kostenlos für Kindle unimited), 9,99€ (TB)

Herausgeber: R&K

Seiten: 415

Inhalt

Mitten in der Nacht wird Max von seiner Mutter geweckt. »Seid still«, sagt sie weinend, als sie den Zehnjährigen und seine vier Jahre alte Schwester Ellie in einen Wandschrank sperrt. »Geht zu Opa …«, hören die Kinder sie noch flüstern, dann fliegt krachend die Haustür auf. Ihre Mutter schreit. Ellie weint. Um sie zu beruhigen, erzählt Max ihr die Geschichte vom Märchenwald.
Während Max und Ellie auf dem Weg zu ihrem Großvater sind, erwacht auf dem Alexanderplatz eine junge Frau blutüberströmt und ohne Gedächtnis.
Im Wedding steht Kommissar Kalkbrenner vor dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere. Und der Märchenwald birgt nichts Gutes.

Meinung

Es ist fast wie ein Märchen. Nur realistisch. Widerwärtig. Abgefuckt. Eines, dass man nicht zum Einschlafen lesen sollte. Eben ein Märchen von Martin Krist.
Martin schafft es immer wieder, neue Elemente, Motive in seine Thriller zu bringen. „Märchenwald“ spielt mit Ideen aus dem Grimm’schen Märchen. Viele Andeutungen, viel Brutalität und das Kernthema des Kannibalismus werden aufgegriffen und in gewohnter Krist- Manier erzählt – Düster, makaber, ekelhaft. Schnell, temporeich, in raffinierten Handlungsgeflechten.

Er arbeitet mit unterschiedlichen Perspektiven, sodass Kalkbrenner parallel ermittelt, während Zoe, eine junge Frau ohne Erinnerungen auf dem Alexanderplatz aufwacht und sich ihrem ganz eigenen Schicksal stellen muss. Und immer wieder zwischendurch Max und Ellie, Geschwister, zehn und vier Jahre alt auf dem Weg zu ihrem Opa ins nahe Brandenburg. Besonders diese Perspektive war sehr erfrischend, lebendig und interessant, auch, wenn die beiden Kinder doch zum Teil zu taff sind, es an manchen Stellen etwas unrealistisch wirkte, wie selbstständig und erwachsen sie für ihr Alter sein sollen.
Beharrlich geleitet der Autor die Charaktere durch die Geschichte, den Märchenwald. Er spielt mit Twists, führt den Leser in die Irre und ist eigentlich immer meilenweit voraus. Man ist immer angehalten mitzufiebern, es gibt Momente, da möchte man die Charaktere am Liebsten vor drohenden Gefahren warnen. An anderen Stellen spürt man selbst die Beklemmung, angespannte Stille, die das Buch transportiert. Und doch war es nie so, dass ich als Leser komplett gefangen war. Es hat immer etwas zu früh eine Lösung gegeben, es war an einigen Stellen zu offensichtlich, was kommt. Hier und da wurde es dadurch zäh, eben weil man bereits ahnte. Es kam alles, wie es kommen musste.
„Märchenwald“ ist nicht ganz so komplex, wie andere Krist- Thriller, eher kurzweilig für zwischendurch. Immer noch Unterhaltung auf hohem Niveau aber eben nichts, wo es unbedingt mehr als eine Option, den unfassbaren Cliffhanger am Ende gibt. Der Thriller hat seine eindeutige Richtung und zieht diese bis zum Schluss durch. Und trotzdem konnte er mich catchen, einfach weil Martin Krists Bücher auf den Punkt abliefern und das abseits vom Mainstream und Einheitsbrei.

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