Fun (Bela B. Felsenheimer)

Zuerst dachte ich: Cool. Bela B Felsenheimer ist auch Rockmusiker, zwar bisschen selbstreferenziell alles, bisschen Gossip, bisschen Pseudo-Fiktion im Deckmantel popkultureller Reflektion mit der eigenen Vergangenheit. Diesdas. Aber wieso nicht? Eine inzwischen erfolgreiche Band spielt nach zwanzig Jahren wieder in einem Dorf im Osten, die Groupies rasten aus, kurz vorher gibt es eine Missbrauchsklage gegen Mitglieder der Band
durch eine junge Frau. Kurzum: Er erzählt den Causa Rammstein und Lindemann – rein zufällig, versteht sich.

Dann dachte ich: Fuck. Nicht etwa, weil die Geschichte so brillant erzählt ist, sondern weil er in seiner Welt irgendwie recht hat mit allem. Der Belanglosigkeit, der hingerotzen Story, der
Lustlosigkeit mehr als Oberflächlichkeiten über die naiven Frauenbilder zu schreiben, die Männer über sie zu stellen. Ist das schon wieder konsequent und damit gut? Passt jedenfalls ins Bild des neu-woken Rockmusikers Bela B, der dann aber nur einen Tag nach Lindemann bei einem Konzert selbst was von K.O.-Tropfen grölt. Sind wir ehrlich: Er kann dem SPIEGEL noch so oft irgendwas von “den anderen” erzählen, von Konsens, klimaneutralen Konzerten und seinen safen SM-Fantasien. Auch “Die Ärzte” hatten in den 80ern noch keine Awareness-Teams.

Felsenheimer mag das für sich und die Presse reflektiert haben, da kommt sogar der hartnäckigste Journalist nicht gegen an. Der Roman liest sich trotzdem wie das Bekenntnis eines Altrockers auf Viagra in der Midlife Crisis: Irgendwann tut’s weh, aber hauptsache es geht weiter. Glaube, am Ende war nicht nur bei den Figuren Koks im Spiel.

Frauenfiguren sollte er vielleicht nicht mehr schreiben, perverse Männer dafür umso öfter,
das saß, damit hatte er mich. Hat er irgendwie ganz gut beobachtet. Dieses Buch ist eine
von ihm auf den Punkt gebrachte Tatsache, aber sicher keine überragende Geschichte. Ich
mag seine Attitüde, mit der er die Story so hinlabert und damit den Kern des Ganzen so
schön vorführt. Weiß ich jetzt auch nicht so genau, was ich dazu sagen soll. Kann man
schon machen. Mehr als Gut und Böse werdet ihr in diesem Roman aber nicht finden.

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