Mozart! [Musicalkritik]

Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze
aufgenommen 2016, Raimund-Theater, Wien

Denn da mein Mann ein Künstler ist, muss ich ihn inspirier’n/ und wenn es draußen dunkel wird, muss ich mich wieder amüsier’n. ⠀

Sylvester Levay und Michael Kunze – kaum zwei Künstler haben die deutschsprachige Musicallandschaft mehr geprägt. Egal ob „Rebecca“, „Elisabeth“ oder „Mozart!“, ihre biografischen Stücke zeichnet eine eigene Handschrift: moderne Inszenierung, latente Depressivität und eine besondere Art der Charakterstudie.  Wieviel Wahnsinn steckt hinter dem Genie des Mozart, der, getrieben von seinen eigenen Schatten versucht, sich den Regeln des Vaters zu unterwerfen, dabei jedoch immer mehr erkennt, dass ihn noch ein anderer Dämon treibt?⠀

Die Show, 2016 digital veröffentlicht und im Raimund Theater aufgenommen, setzt in der Premieren-Cast 2015 ausschließlich auf die Top-Liga. Voran Oedo Kuipers, der als Wolfgang brilliert und zwischenzeitlich an einen jungen Rockstar erinnert; Mark Seibert, dem die Rockoper des Fürsten Colloredo förmlich auf den Leib geschrieben wurde; Ana Milva Gomes und Thomas Borchert, die als Baronin und Leopold das konservative Musical verkörpern und konträr zu Franziska Schusters trotziger Interpretation der Constanze stehen. Auch im Ensemble hat man nicht gespart: Kessler, Alaoui, Brandmeir und Klakow sind hier nur einige Größen, die die Levay-typischen Chorsätze zum Leben erwecken.

Musikalisch ist man schlichtweg Genialität gewohnt und bekommt sie. Egal, ob Foreshadowing der Balladen, grundsätzliche Disharmonien und Moll-Tonarten in Reprisen und dauerhafte Zurückhaltung des 26- köpfigen Orchesters, welches dann in Ausbrüchen großer Rocknummern eine ganz eigene Geschichte erzählt. Inszeniert hat Harry Kupfer, etabliert vor allem an Stadttheatern. Und genau die bringt er zu den VBW, belässt es bei schlichten Bildern, arbeitet einfach und setzt, trotz durchkomponierter Akte, auf Interaktionen – ausdrucksstark, temporeich und mit der erforderlichen Melancholie, die es braucht, um einen Kunze-Levay zu zünden. ⠀

Diese Stücke sind kein Disney, kein Kitsch (höhö), das sind Kunst und Leidenschaft, eine gute Geschichte zu erzählen. Sollte man unbedingt gesehen haben und viel öfter auf großen Bühnen zeigen!⠀

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