Hellersdorfer Perle (Katja Oskamp)

Roman, atb-Verlag
9,99 € (ebook), 12,99 € (Print)

Katja Oskamp kommt vom Theater, man merkt es jedem Satz dieses Buches an. Wenn sie schreibt, inszeniert sie eigentlich. Eine berliner Familie – Mann, Frau, Kind. So spießig, so langweilig sagt sich Frau, packt ihre Sachen und verschwindet des nachts; betritt durch Zufall die Hellersdorfer Perle, eine abgeranzte Kneipe mit noch abgeranzteren Persönlichkeiten, ganz Berlin eben. An der Bar lernt sie einen Mann kennen, älter als sie, heruntergekommen. Trotzdem ist sie fasziniert von ihm. Als er ihr befiehlt, das nächste Mal in kurzem Rock zu erscheinen, folgt sie seinen Worten, lässt sich auf sein Spiel ein …

Oskamp hat Sinn für richtig dreckigen Humor. Das Buch selbst ist keine Hochkultur, eher billiger Groschenroman. Bisschen proletisch, bisschen schmierig, aber verdammt gute Pointen. Ganz die Dramaturgin, ist Timing ihr Spezialgebiet: Immer wenn ich abbrechen wollte, wurde es wieder interessant. Manchmal sind die Dialoge trotzdem zu lang geraten, die Figuren zu viel Klischee, die DDR zu präsent, die Worte zu stumpf. Sprachlich ist es mindestens mutig bis experimentell, andere würde sagen: interessant. Das Buch kann wahlweise sehr philosophisch, oder sehr erotisch verstanden werden. So genau weiß ich nicht, wo die Metaebene aufhörte. Ich mag’s trotz allem.

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